Mit Phytosterinen angereicherte Lebensmittel nur bei erhöhtem Cholesterinspiegel verzehren

Stand: 05/29/2012
Phytosterine (auch als Pflanzensterine oder –sterole bezeichnet) und Phytostanole werden bestimmten Lebensmitteln wie Margarine, Milch, Joghurtdrinks, Käse oder Brot wegen ihres Cholesterinspiegel senkenden Effekts zugesetzt. Die Cholesterinspiegel senkende Wirkung dieser Stoffe ist wissenschaftlich nachgewiesen. Ein regelmäßiger Verzehr von zwei Gramm Phytosterinen am Tag in Form von angereicherten Lebensmitteln kann den Blutcholesterinspiegel um zehn Prozent senken.

Pflanzensterine sind dem tierischen Cholesterin sehr ähnlich. Sie konkurrieren dadurch mit Cholesterin um das gleiche Transportsystem im Darm, um in den Körper aufgenommen zu werden und senken so die Aufnahme des Cholesterins in den Körper.
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Phytosterinangereicherte Lebensmittel müssen als neuartige Lebensmittel zugelassen werden. Gesundheitsbezogene Werbeaussagen (sogenannte Health Claims), die sich auf den Cholesterinspiegel senkenden Effekt beziehen, sind anerkannt.


Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen

Der regelmäßige Verzehr der mit Phytosterinen angereicherten Lebensmittel birgt jedoch auch Nebenwirkungen.

Nach mehrwöchigem Verzehr phytosterinhaltiger Margarine wurden erhöhte Werte an Phytosterinen, jedoch erniedrigte Konzentrationen an Carotinoiden und fettlöslichen Vitaminen im Blut festgestellt. Wer regelmäßig mit Phytosterinen angereicherte Lebensmittel verzehrt, sollte zum Ausgleich viel Gemüse und Obst essen. Ein entsprechender Hinweis muss auf der Packung stehen. Empfehlenswert sind fünf Portionen Gemüse und Obst am Tag. Zusätzlich sollte man darauf achten, dass wenigstens eine dieser Gemüse- oder Obstportionen reichlich Carotinoide enthält, wie beispielsweise Möhren, Tomaten, Kürbis, Wirsing, Spinat, rote Paprika, Grapefruit oder Aprikosen. Diese Lebensmittel sollten wenn möglich mit etwas Fett oder Öl verzehrt werden, um die Resorption der Carotinoide zu verbessern.

Eine niederländische Studie hat Verengungen der kleinen Blutgefäße der Netzhaut bei gesunden Probanden festgestellt, wenn über längere Zeit regelmäßig Lebensmittel mit Pflanzensterinzusätzen verzehrt werden. Dies ist insofern relevant, als dass Ablagerungen in den Netzhautgefäßen ein frühes Zeichen kardiovaskulärer Erkrankungen sein können. Die endgültige Bewertung der Studienergebnisse steht noch aus. Allerdings zeigen die Befunde, dass pflanzensterinangereicherte Lebensmittel nicht prophylaktisch von Gesunden verzehrt werden sollten.

Die Realität sieht jedoch anders aus. Beispielsweise hat eine Befragung der Verbraucherzentralen und des Bundesinstituts für Risikobewertung gezeigt, dass 45 Prozent der mit Phytosterinen angereicherten Lebensmittel von Personen mit normalem Cholesterinspiegel verzehrt werden. Und nur ein Drittel der Befragten, die gleichzeitig cholesterinspiegelsenkende Medikamente einnehmen, hat den Verzehr der angereicherten Lebensmittel mit dem behandelnden Arzt besprochen. Laut einer belgischen Untersuchung verzehrt bereits rund ein Fünftel der Vorschulkinder diese Lebensmittel. Und das, obwohl entsprechende Hinweise auf der Verpackung sagen, dass das jeweilige Produkt für schwangere und stillende Frauen und für Kinder unter fünf Jahre möglicherweise nicht geeignet ist.


Fazit

Das Bundesinstitut für Risikobewertung schlägt eine Neubewertung der Pflanzensterole als Lebensmittelzutat auf europäischer Ebene vor. Dies ist umso wichtiger, als dass der unbedenkliche Umgang mit diesen Lebensmitteln weit verbreitet ist. Denn Lebensmittel mit Zusätzen von Phytosterinen besitzen therapeutische Wirkung und sollten von gesunden Menschen nicht gegessen werden.


Quellen und Informationen





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