ökologsiche Weinbaubauinformation vom 22.07.2019



Rebentwicklung
Lage: In dieser Woche wird es wieder eine Hitzewelle geben mit prognostizierten Gewittern am Wochenende, die hoffentlich viel Wasser und kein Sturm oder Hagel bringen.
Die Entwicklung liegt immer noch etwa 14 Tage hinter 2018. Unsere Regentanlage in Oppenheim fängt nun an zu färben. Dies ist bei der Planung der Abschlussbehandlung zu beachten. Diese wird durchschnittlich Mitte August zu terminieren sein.
Entwicklungsstadium: ES 75 bis ES 79 („Erbsengröße der Beeren“ bis „Traubenschluss“)
Pflanzenschutz
Oidium:
Stand: Einzelne Meldungen von stärkerem Oidiumbefall sind eingetroffen. Allerdings scheint ein Großteil der Anlagen befallsfrei zu sein. Netzschwefel ist aufgrund der Wartezeit nun nicht mehr einsetzbar (oder nur in definitiv spät zu ernteten Rieslinganlagen). Die übliche Mischung wäre jetzt Bicarbonat mit Wetcit oder Kumar. Dies kann aufgrund der angekündigten sehr hohen Temperaturen zu Blattschäden führen. Eine Überlegung wäre die anstehende Behandlung mindestens auf Ende der Woche zu schieben, wenn die Temperaturen wieder niedriger werden. Ein größerer Behandlungsabstand ist bei befallsfreien Anlagen zum jetzigen Zeitpunkt kein Problem. Die Gewitterprognosen müssen dabei allerdings beachtet werden, um rechtzeitig behandeln zu können. Bei Pero-freien Anlagen kann dies auch nach den Gewittern sein. Eine schonende Alternative für befallsfreie Anlagen wäre noch der Einsatz von Sprühmolkepulver.
Wer diese Woche fährt, sollte statt Wetcit bevorzugt ProFital oder Cocana verwenden und je nach Wasserversorgung die Menge an Bicarbonat reduzieren.
Mittel:
- Vitisan 5 kg/ha mit Wecit (bzw. ProFital oder Cocana bei Hitze)
- Natriumbicarbonat 5 kg/ha mit Wecit (bzw. ProFital oder Cocana bei Hitze)
- Kumar 5 kg/ha
- Sprühmolkepulver: 4 %ig in der auszubringenden Wassermenge
Stopp-Behandlung bei Oidium-Befall:
- Traubenzone entblättern. In die Traubenzone: ca. 600 l/ha Wasser mit max. 12 kg/ha Vitisan + 5 kg/ha Netzschwefel (Wartezeit beachten!!) + Wetcit 2 l/1000 l, nach 2 Tagen kontrollieren und bei Bedarf die Sonderbehandlung wiederholen (Rücksprache mit Beratung!) Behandlung wirkt am besten bei trockenem Hochdruckwetter.
- Vorsicht: Diese Behandlung kann v.a. bei trockengestressten Reben, schwachwüchsigen Anlagen und/oder sehr hohen Temperaturen (> 30°C) zu Blattverbrennungen führen.
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Peronospora:
Stand: Befallsfreie Anlagen sind kaum noch gefährdet und die Kupfermenge kann zurückgefahren werden. Hier gilt es, einen Belag auf dem Neuzuwachs zu halten, um bei Wetterumschlag und eventuell „übersehenem“ Befall das Blattwerk gesund zu halten. In Anlagen mit Befall weiter mit der höheren Mengen arbeiten. Die Trauben kommen aus dem empfindlichen Stadium heraus, aber die obere Laubwand muss noch geschützt werden. In Taulagen verbreitet sich der Befall auch ohne Regen.
Mittel: Kupfer: 150 bis 300 g reinCu /ha (die höhere Menge nur, wo Ölflecke in der Anlage sind und es sich um Taulagen handelt oder wenn sich Regen ankündigt)

Traubenwickler
Stand: Der Flug des Bekreuzten Wicklers geht teilweise dem Ende zu. Meldungen mit höheren Fangzahlen liegen noch aus Gundersheim und Dexheim vor. Die momentane trockene Witterung mit den hohen Temperaturen dürfte aber die meisten Eier, besonders in entblätterten Anlagen, vertrocknen lassen.



Beate.Fader@dlr.rlp.de      drucken nach oben  zurück