ökologsiche Weinbaubauinformation vom 01.07.2019



Rebentwicklung
Lage: Der Juni war der Monat der Rekorde: Heißester Tag im Juni seit Wetteraufzeichnung (30.6.), im Durchschnitt 4 °C zu warm, meiste Sonnenstunden (in Mannheim), bis zu 70 % weniger Niederschlag. Das Wachstum ist bisher ungebremst. Die Trauben gehen in den Hang und bei Burgunder ist der Traubenschluss nicht mehr weit. Niederschläge sind für die nächsten 14 Tage bisher nicht gemeldet. Dies wird in weniger wasserhaltefähigen Böden zunehmend problematisch werden. Junganlagen sollten rechtzeitig bewässert werden. Wasserschonende Bodenbearbeitung hat erste Priorität. Begrünungen walzen oder mulchen, offene Gänge nochmal flach bearbeiten, um die Kapillaren zu brechen. Einsaat der Winterbegrünung für etwa Mitte Juli einplanen.
Entwicklungsstadium: ES 73 bis ES 75 („Schrotkorngröße“ bis „Erbsengröße der Beeren“ bis „Beginn Traubenschluss“)
Pflanzenschutz
Oidium:
Stand: Oidium ist nach wie vor brandgefährlich und die Trauben sind noch nicht aus der empfindlichen Phase heraus. In unbehandelten Parzellen explodiert der Traubenbefall nahezu. Aus der Praxis gibt es bisher noch keine Meldungen und auch bei Rundgängen konnte noch kaum Befall beobachtet werden (außer in bekannt ungepflegten Anlagen). Trotzdem Anlagen genau kontrollieren und bei Befall sofort mit einer Traubenwäsche reagieren.
Da es in nächster Zeit nicht zu Niederschlägen kommt und die Blätter teilweise schon mit Vertrocknungen auf die Bicarbonatbehandlungen reagiert haben, ist es ratsam in befallsfreien Anlagen nur mit Netzschwefel (höchst mögliche Dosierung!) zu behandeln. Dies gilt besonders auf trockenen Standorten und schwachwüchsigen Anlagen. Aufgrund der langen Wartezeit von Netzschwefel müssen die letzten Behandlungen mit Bicarbonaten erfolgen. Je öfter Bicarbonate appliziert werden, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Blätter aufgrund der „Salzauflage“ vertrocknen.
Mittel: Stulln: 5 kg/ha, Microthiol WG: 5,3 kg/ha, Sulfoliq: 4 l/ha
Stopp-Behandlung bei Oidium-Befall:
- Traubenzone entblättern. In die Traubenzone: ca. 600 l/ha Wasser mit max. 12 kg/ha Vitisan + 5 kg/ha Netzschwefel + Wetcit 2 l/1000 l, nach 2 Tagen kontrollieren und bei Bedarf die Sonderbehandlung wiederholen (Rücksprache mit Beratung!) Behandlung wirkt am besten bei trockenem Hochdruckwetter.
- Vorsicht: Diese Behandlung kann v.a. bei trockengestressten Reben, schwachwüchsigen Anlagen und/oder sehr hohen Temperaturen (> 30°C) zu Blattverbrennungen führen.
Peronospora:
Stand: In befallsfreien Anlagen ist die Gefahr inzwischen weitgehend vorbei. Hier kann die Kupfermenge zurückgefahren werden. Hier gilt es, einen Belag auf dem Neuzuwachs zu halten, um bei Wetterumschlag und eventuell „übersehenem“ Befall das Blattwerk gesund zu halten. In Anlagen mit mehr Befall weiter mit der höheren Mengen arbeiten, da die Trauben und vor allem das Sielgerüst noch anfällig sind und auch Tau zu weiteren Infektionen ausreicht.
Mittel: Kupfer: 150 bis 300 g reinCu /ha (die höhere Menge nur, wo Ölflecke in der Anlage sind und es sich um Taulagen handelt oder falls sich doch Gewitter ankündigen)

Traubenwickler
Bisher noch sehr verhaltener Flug beider Arten. Die trockene, heiße Witterung ist nicht sehr günstig für die Ausbreitung. Wer Fallen aufgehängt hat, bitte Fallenfänge melden!



Beate.Fader@dlr.rlp.de      drucken nach oben