Ilex aquifolium –Baum des Jahres 2021

Der schon in vorchristlicher Zeit verehrte heimische Baum ist in unseren Wälder ein seltener Anblick geworden, doch kommt Ilex gerne in natürlichen Mischwäldern, die nicht stark bewirtschaftet werden vor. Dort sieht man sie z.B. als Unterwuchs von alten Buchen. Ilex ist den meisten Leuten als Garten- und Heckenpflanze bekannt, ebenso als unverzichtbarer Teil der Weihnachtsdekoration. Der Brauch, die Häuser zur Zeit der Wintersonnwende mit immergrünen und fruchtenden Zweigen, als Symbol des Lebens zu schmücken, wurde von der christlichen Religion übernommen, und heute finden sich die Zweige der „Stechpalme“ auch in Palmsonntagsstecken. Ilexholz ist sehr hart und schwer, doch elastisch und wurde gerne zur Herstellung von Hammerstielen und Spazierstöcken genutzt, da es keine Blasen an den Händen erzeugt. Seine Kräfte zeigen sich auch in der magischen Welt- Harry Potters Zauberstab war aus dem Holz der Stechpalme gefertigt!

Es gibt weltweit etwa 400 verschiedene Ilex Arten. Einige tropische und subtropische Ilex-Arten finden Verwendung als Teestrauch, am bekanntes ist davon wohl der südamerikanische Ilex paraguariensis, der Mate-Strauch. In unseren Gärten haben sich drei davon, diese jedoch in zahlreichen Sorten bewährt.

Der große Ilex aquifolium macht als Solitärbaum oder als geschnittene Hecke eine gute Figur. Diese heimische Art der Stechpalmen gehört zu den langsam wachsenden Bäumen, die aber sehr alt werden können. Sie haben meist einen kegelförmigen bis rundlichen Wuchs und können mehrere Stämme ausbilden.

Der kleine Bruder, Ilex crenata, ist als schnittverträgliche Ersatzpflanze für den oft von Krankheiten geplagten Buchs bekannt geworden. Er stammt aus Japan, und kommt mit den hiesigen Bedingungen bestens zurecht, er mag nur keinen kalkhaltigen Lehmboden mit Staunässe. Doch ist er ausgesprochen kälteverträglich und auch tiefster Schatten macht ihm nichts aus. Er hat kleine, rundliche Blätter, die ihn dem Buchs zu Verwechseln ähnlich machen.

Die dritte Art, Ilex x meservae, die sich besonders in Gärten bewährt hat, entstand aus einer Kreuzung des europäischen Ilex aquifolium mit dem asiatischen Ilex rugosa, benannt nach ihrer Züchterin, Mrs. Meserve aus New York. Ilex x meservae ist noch anspruchsloser als der heimische Ilex und sehr frosthart, sowie windfest und sonnenverträglich. Die Sorten lassen schon am Namen erkennen, ob sie Früchte tragen oder als fruchtlose Bestäuber dienen können, falls keine Früchte gewünscht sind. „Heckenfee“ und „Blue Princess“ sind die weiblichen Fruchtsorten, „Heckenstar“ und „Blue Prince“ tragen keine Früchte. Das Laub ist sehr schön dunkel und glänzend, durch den dichten und kompakten Wuchs eigenen sie sich vorzüglich als Heckenpflanzen.

Blätter

An seinen Zweige sitzen feste glänzende dunkelgrüne Blätter, mit einem Rand aus spitzen Stacheln versehen. Je älter der Baum wird, umso glatter werden seine Blattränder.

Es gibt sehr schöne gezüchtete Sorten, die nicht piksen und dekorative gelb- oder weißrandige Blätter aufweisen, diese sind in schattigen Gartenbereichen besonders effektvoll zu verwenden.

Blüten

Im Frühsommer ist der Strauch oder Baum übersät von kleinen weißen Blüten. Ilex ist eine sogenannte zweihäusige Pflanze, das heißt Mann und Frau wohnen in „getrennten Häusern“. Nur aus den weiblichen Blüten entwickeln sich Früchte, sie benötigen den Pollen der männlichen Blüten zur Bestäubung. Damit die Bienen und andere Insekten diesen Botendienst übernehmen, locken sie nicht nur mit Pollen, sondern auch mit reichlich Nektar als Belohnung.

Früchte

Die roten Früchte sind eine Nahrungsquelle für Vögel, jedoch nicht zum menschlichen Verzehr geeignet. Wenn sie nach den ersten Frösten weich werden, hängen sie noch lange am Baum und werden dort z.B. von Amseln gefressen.

Standort und Ansprüche

Ilex ist eine robuste und unkomplizierte Pflanze, die in fast ganz Europa, von Schottland bis Spanien vorkommt und sehr unterschiedliche Bedingungen aushalten kann, jedoch zu extremes Klima nicht gerne mag. Optimale Bedingungen findet die zähe Stechpalme in lichten Wäldern, auf nicht allzu trockenen Böden, die weder zu kalkig noch zu sauer sein sollten. So wird ihr nördliches Verbreitungsgebiet durch sehr kalte Winter begrenzt und weiter im Süden macht ihr sommerliche Dürre zu schaffen. Trotzdem zeigt es sich, dass sich bedingt durch den Klimawandel, ihr natürliches Verbreitungsgebiet vergrößert und sie in Gärten und Städten mehr Verwendung finden sollte. Dort verträgt sie in schattigen Lagen auch längere Trockenperioden und auf Böden mit guter Wasserversorgung auch volle Sonne. Eine gute Mulchschicht auf dem Wurzelbereich schützt vor Austrocknung und erhöht den Humusgehalt des Bodens, was die Nährstoffversorgung sichert.

Verwendung:

Die Stechpalme ist ein Gehölz, das auf vielfältige Weise in den verschiedensten Gärten eingesetzt werden kann. Sie eignet sich streng geschnitten für formale Gärten, frei gewachsen im naturnah gestalteten Garten. Da sie Schatten und Wurzeldruck verträgt, kann Ilex auch zur Unterpflanzung von großen alten Bäumen eingesetzt werden. Dort sind die buntlaubigen Sorten besonders effektvoll. Doch auch an anderer Stelle bietet Ilex immer einen zuverlässigen, immergrünen Blickfang.

In jedem Garten ist Platz für mindesten ein Exemplar dieser vielseitigen Gehölzart - probieren Sie es aus!






Eva.Hofmann@dlr.rlp.de     www.Gartenakademie.rlp.de drucken nach oben