Trittsichere Laufflächen durch Fräsen

Stand: 08/05/2005
Autor: Detlef Groß, DLR Westerwald-Osteifel


Auch auf dem Haldenhof in Friesenhagen stellte sich diese Frage. Betriebsleiter Ulrich Schneider hatte 1996 durch Anbau an einen Maschinenschuppen mit viel Eigenleistung eine Fress- und Liegehalle für ca. 50 Milchkühe gebaut.

In dem zweireihigen Stall mit Wandliegeboxen wurde der mittige Futtertisch im hinteren Bereich mit Liegeboxen belegt. Die planbefestigten Laufflächen am Futtertisch wurden in Eigenleistung betoniert. Der Gang hat eine Breite von 3,30 m. Der Schieber läuft im Winter 7 - 8 mal täglich, im Sommer bei Weidegang nur 3 - 4 mal am Tag.

Obwohl beim Abziehen durch rüttelnde Bewegung eine leichte Rillenstruktur geschaffen wurde und der Breitschieber mit einer Gummilippe ausgestattet ist, wurden die Laufflächen schon nach wenigen Jahren glatt. Besonders im Sommer, wenn die Laufflächen austrockneten, bildete sich eine gefährliche Schmierschicht, die erhöhte Rutschgefahr für die Kühe bedeutete. Aus Angst vor dem Ausrutschen bewegten sich die Kühe nur sehr vorsichtig und zeigten kein typisches Brunstverhalten mehr. Als dann eine Kuh nach einem Unfall abgeschafft werden musste, reifte der Entschluss, die Oberflächen der Laufgänge wieder griffiger zu machen.

Aufgrund der Erfahrungen, die im Dienstbezirk des DLR Westerwald-Osteifel mit dem großflächigen Abfräsen der Betonoberfläche bestehen, zog Ulrich Schneider diese Lösung nicht in Betracht. Das Abfräsen erzeugt zwar kurzfristig mit 1 bis 2 mm tiefen Rillen eine raue und griffige Oberfläche, es erhöht aber nicht die vorhandene Betonfestigkeit und so tritt bald durch Abrieb wieder der alte Zustand ein.

Fräsprofile in Längsrichtung des Laufgangs

Der Betriebsleiter entschied sich aufgrund von Empfehlungen aus Süddeutschland für das Einfräsen von 1 cm tiefen Längsrillen. Dabei werden mit einer großen fahrbaren Betonfräse aus dem Straßenbau in Längsrichtung zur Entmistungsachse Rillen eingefräst, die eine Tiefe von ca. 1 cm und eine Breite von 4 - 5 cm aufweisen. Die verbleibende Aufstandsfläche zwischen den Rillen ist einstellbar. Ulrich Schneider entschied sich für einen Abstand von ca. 15 - 17 cm zwischen den Rillen. Durch das Fräsen entsteht in den Rillen eine relativ grobe, griffige Oberfläche, die den Klauen der Kühe Halt bietet.

Fraesprofile in LaengsrichtungFraesprofile in Laengsrichtung - Detail
Die Fräsarbeiten auf dem Haldenhof führte die Fa. SAT Schmitt Asphalttechnik aus 56593 Horhausen im Westerwald (Telefon: 02687 / 8910) durch.

Die Arbeit an den insgesamt 180 qm großen Laufflächen dauerte incl. Vorbereitung ca. 4 Stunden. Sehr wichtig ist eine befestigte Einfahrt zum Stall für die Betonfräse. Die Kosten lagen bei ca. 5,00 € /qm.

Nach dem Einfräsen der Längsrillen ist Ulrich Schneider mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Das Tierverhalten hat sich erheblich verbessert, die Kühe bewegen sich sicherer und finden Halt, deutliches Brunstverhalten ist in der Herde zu beobachten. Weitere Betriebe im Dienstbezirk des DLR Westerwald-Osteifelhaben ebenfalls Längsrillen auf ihren Laufflächen einfräsen lassen und berichten über ähnliche Beobachtungen.

In den Rillen bleibt Jauche und dünner Kot zwar stehen, durch die raue Oberfläche der Rillen haben die Kühe trotzdem Halt. Bei dickerem Kot werden die Rillen durch die vom Schieber abgeschobenen Kothaufen freigeräumt.
Durch die Rillen dürften kaum spaltenbodentypische Klauenverletzungen auftreten, da die Rillen nur 1 cm tief sind, so dass die Klauen nicht im Spalt hängen bleiben. Wichtig ist, dass nach der Fräsbearbeitung die Rillen gut ausgekehrt werden, damit die kleinen Betonsplitter nicht eingetreten werden.
Nach mehrjähriger Erfahrung ist der Betriebsleiter mit den Längsrillen sehr zufrieden.



Detlef.Gross@dlr.rlp.de     www.DLR-Westerwald-Osteifel.rlp.de drucken nach oben  zurück