Herbizideinsatz im Garten – Möglichkeiten, Grenzen und Schäden

Mit beginnendem Frühjahr fängt alles an zu grünen und zu sprießen – leider wirklich alles - auch die Quecke im Staudenbeet, der Klee im Rasen und das Gras in den Gehwegfugen! Sofort häufen sich dann die Anfragen nach der „schnellen“ Lösung, einem Herbizid das das spezielle „Problem“ einfach und dauerhaft löst ohne Rasen oder Stauden zu schädigen.
Auch wenn es eine ganze Reihe dieser Herbizide für die Anwendung im Haus- und Kleingarten gibt, sind ihre Anwendungsmöglichkeiten in der Praxis sehr eingeschränkt und die „Erfolge“ bei wirklichen „Problemunkräutern“ wie z.B. Giersch auch nicht garantiert. Hinzu kommt, dass es auch immer wieder zu Herbizidschäden an Kulturpflanzen kommt.

Hier geht es gar nicht:

Das Pflanzenschutzgesetz erlaubt den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, und dazu zählen auch die Unkrautvernichtungsmittel, nur auf Flächen die landwirtschaftlich, forstwirtschaftlich oder gärtnerisch genutzt werden. Bei Terrassen, Wegen, Garagenauffahrten und anderen befestigte Flächen handelt es sich eindeutig um keine solche Nutzung, denn es werden hier weder Gemüse noch Zierpflanzen angebaut! Hier ist der Einsatz grundsätzlich verboten und das aus gutem Grund: Bevor die Mittel abgebaut sind, schwemmt sie der Regen in die Kanalisation oder Oberflächengewässer! Auch der Einsatz von Mitteln, die als umweltverträglich gelten (z.B. Pelargonsäure) oder „Hausmitteln“ wie Salz zur Unkrautbekämpfung sind dort verboten! Viele, gerade ältere Gartenbesitzer werden das bedauern, doch hier bleibt nur die mechanische (kehren oder fugenkratzen!) oder thermische (abflammen) Bekämpfung. Alternativ kann man Fugen auch gezielt begrünen.

Hier darf man Herbizide einsetzen, in der Praxis ist es jedoch kaum möglich:

Wenn Unerwünschtes zwischen den Stauden, im Rosenbeet oder zwischen bodendeckenden Gehölzen sprießt, wird es meist schwierig. Oft handelt es sich nicht um einjährige Samenunkräuter, die man mit konsequentem Ausrupfen vor der Samenbildung in den Griff bekommt, sondern um hartnäckige Wurzelunkräuter. Grundsätzlich darf man hier Herbizide einsetzen, in der Praxis geht dies jedoch nicht ohne Schäden an den Zierpflanzen. Zur Bekämpfung von Wurzelunkräutern wie Brennessel, Quecke oder Winde, bieten sich Herbizide an, die vom Blatt aufgenommen und dann in die Wurzel transportiert werden, wo sie diese dann abtöten. Für eine gute Wirkung ist es jedoch notwendig, dass die Unkräuter über genügend Pflanzenmasse verfügen, um ausreichend Wirkstoff aufzunehmen. Diese Produkte schädigen die meisten Pflanzenarten, so dass bei ihrer Anwendung äußerste Vorsicht geboten ist. Die Behandlung von Einzelpflanzen oder Unkrauthorsten ist entweder mit einem Spritzschirm möglich, der ein Verwehen des Mittels auf Nachbarpflanzen verhindert oder man kann die Blätter einzelner Pflanzen mit dem Herbizid bestreichen. Doch wie soll man die Winde bestreichen, ohne dass das Mittel auf die Pflanze kommt, um die sie sich hochrankt? Und auch das mit kriechenden Gehölzen bepflanzte Beet, durch das die Quecke durchwächst, ist kaum zu behandeln ohne dass die Bodendecker das Mittel abbekommen. Ebenso kritisch sind Rosenbeete, da die Rosen auch über die grünen Triebe Wirkstoffe aufnehmen. Bei starker Durchwucherung der Beete ist auch durch ständiges Hacken kein befriedigendes Ergebnis zu erzielen, gleichzeitig ist auch ein Herbizideinsatz ohne Schädigung der Stauden bzw. bodendeckenden Gehölzen fast nicht möglich. Daher ist für stark mit Wurzelunkräutern bewachsenen Beeten eine Neuanlage die sinnvollste Lösung.
Auch der Einsatz von Herbiziden im Rasen ist grundsätzlich möglich, jedoch nicht bei allen unerwünschten Pflanzen tatsächlich durchführbar. Hat sich z.B. eine unerwünschte Grasart wie Hirse breit gemacht, kann man kein selektives Herbizid einsetzen, das nur diese Grasart abtötet, andere Gräser aber verschont. Eine Neuanlage ist hier auch nicht unbedingt zielführend, da bereits ein großes Samenpotential im Boden ist, das auch im neuen Rasen austreibt. Eine geänderte Pflege und Bewässerung ist der bessere Weg.

Hier kann Herbizideinsatz im Einzelfall sinnvoll sein:

Bei der Neuanlage von Gärten oder einzelnen Beeten kann es sinnvoll sein, die schon genannten Wurzelunkräuter wie Quecke, Brennessel oder Ackerkratzdistel vor Umbruch des Bodens zu bekämpfen. Ziel ist die Abtötung der unterirdischen Pflanzenteile. Nicht erfasst wird dabei das im Boden vorhandene Samenpotenzial! Es muss nach dem Keimen nochmals chemisch oder mechanisch beseitigt werden. Daher macht es Sinn, diese Flächen nicht sofort dauerhaft zu bepflanzen, sondern eine Gründüngung einzusäen oder einfach ein Jahr lang Kartoffeln anzupflanzen. Zwischen denen kann man nämlich gut hacken… Bei der Neuanlage des Beetes sollten dann am besten neue, unkrautfreie Pflanzen eingesetzt werden. Verwendet man die ausgegrabenen Stauden aus einem verunkrauteten
Beet, müssen die Wurzelballen ausgewaschen werden, um die dazwischen gewachsenen Wurzeln von Quecke und Co. sorgfältig zu entfernen.
Unerwünschte Kräuter im Rasen wie z.B. Klee, Ehrenpreis oder Löwenzahn können mit einem Mittel gegen zweikeimblättrige Unkräuter im Rasen bekämpft werden. Dazu muss die zu bekämpfende Pflanze bestimmt und dann ein geeignetes Mittel ausgewählt werden, denn nicht jeder Wirkstoff bekämpft jede Pflanzenart! Vorab sollte aber nochmals überprüft werden, ob durch eine Verbesserung von Düngung, Bewässerung oder Pflege nicht ein nachhaltigerer Erfolg zu erzielen ist!
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Hier kann man einen einzelnen
Löwenzahn auch ausstechen!

Herbizidschäden - meist selbst gemacht:
Herbizidschäden können relativ bald nach dem die Pflanze mit dem Wirkstoff in Kontakt kam, aber auch erst Wochen oder Monate später auftreten. Dies hängt vom Wirkstoff, der Pflanze und der Jahreszeit ab.
So bekommen z.B. Rosen, die im Herbst über die grünen Triebe ein wuchsstoffhaltiges Herbizid aufgenommen haben, erst im nächsten Frühjahr verkrüppelte Blätter. Ein von einem säurehaltigen
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"farnblättrige" Rose: Herbizidschaden
Mittel getroffenes Blatt dagegen zeigt bereits nach wenigen Stunden Verätzungen. Und in der Mehrzahl der Fälle ist es nicht der „böse“ oder unvorsichtige Nachbar, sondern der Schaden wurde selbst verursacht. Häufig wird die Abtrift unterschätzt und so weht der Wind beim „spritzen“ des Rasens die Spritzbrühe doch auf das angrenzende Rosenbeet. Auch wenn nicht konsequent zwei verschiedene Spritzen für Unkrautvernichter und andere Pflanzenschutzmittel verwendet werden, kommt es immer wieder zu Schäden. Ein kleiner Rest, der nach Reinigen der Spritze doch noch darin verblieb, wird dann bei der nächsten Blattlausbekämpfung direkt auf die Pflanzen gesprüht. Und dann wundert man sich, dass die harmlose Seifenlauge solche Schäden verursacht…Entscheidet man sich für den Einsatz von Herbiziden, dann sollte man grundsätzlich vor Gebrauch die Anleitung genau durchlesen, um Schäden an den Pflanzen und der eigenen Gesundheit zu vermeiden!

Herbizidschäden im Garten sind auch ohne Herbizideinsatz möglich:

Manchmal scheint es direkt unerklärlich: Tomaten oder Kartoffeln, aber auch andere Pflanzen haben verkrüppelte und verdrehte Blätter, wachsen nicht mehr und gehen sogar ein. Ein Herbizidschaden scheint ausgeschlossen, denn in diesem Biogarten wurde noch nie chemische Unkrautkontrolle durchgeführt und auch die Nachbarschaft ist völlig unverdächtig. Vielleicht wurde aber mit Pferdemist gedüngt? Hier könnte des Rätsels Lösung liegen: Hat das Pferd Gras oder Heu von einer Wiese gefressen, auf der z.B. das für Pferde gefährlichen Greiskraut mit Simplex (Wirkstoff Aminopyralid) bekämpft wurde, so findet sich dieser Wirkstoff im Pferdemist wieder. Wird dieser dann im Garten als Dünger verwendet, reaktiviert sich der Wirkstoff und es kommt bei empfindlichen Nutzpflanzen, wie z.B. Hülsenfrüchtlern und Nachtschattengewächsen (Tomaten, Kartoffeln) zu indirekten Herbizidschäden. Wenn die Menge des Wirkstoffes, der auf diesem Weg unbeabsichtigt eingebracht wurde, gering ist, dann können die angebauten Gemüse noch zur Erntereife gelangen. In diesem Fall lassen sich z.B. in den Tomaten keine entsprechenden Rückstände mehr finden und man kann sie essen. Im Boden allerdings dauert der Abbau bis zu 2 Jahren. In dieser Zeit empfiehlt sich eine Anbaupause, in der man z.B. Gras einsäen kann. Um dies alles zu vermeiden, sollte man vorsichtshalber nur Pferdemist bekannter Herkunft einsetzen und sich vorab erkundigen, ob Weide und Heu unbelastet waren.

Fazit:

Die Einsatzmöglichkeiten von Herbiziden im Garten sind sehr beschränkt. In Fällen, in denen man sie einsetzen darf, ist es häufig nicht praktikabel oder sinnvoll.
Herbizideinsatz sollte daher nicht die Regel sein sondern nur in seltenen, wirklich sinnvollen Ausnahmefällen erfolgen.



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