Kreuzkräuter: verbreitete Giftpflanzen im Siedlungsbereich

Die meisten der bei uns vorkommenden Kreuzkrautarten sind einheimisch, allen voran das bekannte Jakobskreuzkraut. Sie gehören zur großen Familie der Korbblütler (Kompositen). Charakteristisch sind die kopf- oder körbchenförmigen Blütenstände, die den Eindruck einer Einzelblüte (Scheinblüte) erwecken, wie wir es von Sonnenblume, Gänseblümchen oder Margarite kennen. Sowohl die Zungenblüten (Rand), als auch die Röhrenblüten in der Mitte sind von gelber Farbe. Daraus entstehen Samen, die, wie beim Löwenzahn, aufgrund des schirmchenförmigen Flugapparates sehr leicht mit dem Wind verbreitet werden. Die Blütezeit reicht von Mitte Juni bis Ende Oktober. Die zwei- bis mehrjährigen Pflanzen bilden kräftige Stängel mit fiederteiligen Blättern aus. Sie werden bis 1,20 m hoch und sind mit den leuchtend gelben Blüten kaum zu übersehen. Häufig sind sie vergesellschaftet mit anderen gelb blühenden Arten wie Johanniskraut und Rainfarn, die sich jedoch in Blatt- oder Fruchtform deutlich unterscheiden. Auch mit anderen gelb blühenden Pflanzen werden sie gern verwechselt. Wenn also ein besorgter Pferdebesitzer Mitte Mai meint, große blühende Jakobskreuzkrautbestände zu sichten, handelt es sich meist um Wiesenpippau.

Alle Kreuzkrautarten sind giftig, auch für den Menschen. Gefährdet sind jedoch nur Weidetiere, die größere Mengen von den stabilen Giftstoffen aufnehmen, die auch in Heu und Silage erhalten bleiben. Die Giftwirkung ist selten akut, sondern eher schleichend, teilweise über Jahre hinweg leberschädigend und krebserregend. Die Leberschäden sind nicht heilbar (keine Arzneimittel bekannt). Die Empfindlichkeit ist allerdings artspezifisch unterschiedlich. Am meisten gefährdet sind Pferde und Rinder.

Kreuzkräuter sind relativ anspruchslos und wachsen auf Sand-, Kies- oder Lehmböden. Als einheimische Pflanzenarten sind sie gut an unsere Vegetationsbedingungen angepasst und dementsprechend weit verbreitet.

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Typische Standorte sind Weg- und Waldränder, Industrie- und Gewerbeflächen, sowie alle Formen von Ödland. Gerade im Siedlungsbereich steigt der Anteil extensiv gepflegter Flächen auf denen sie sich ungestört ausbreiten. Eine Ausrottung ist weder vorstellbar noch sinnvoll. Realistischer ist es Objektschutz zu betreiben und im Siedlungsbereich dafür zu sorgen, das keine „Ausbreitungsschwerpunkte“ entstehen. Eine rechtzeitige Beseitigung der Pflanzen (2x Mähen/Mulchen ab Blühanfang) verhindert einen massenhaften Samenflug.
Achtung Gartenbesitzer: Düngen mit Pferdemist bei Herbizideinsatz gegen Jakobskreuzkraut Hat das Pferd Gras oder Heu von einer Wiese gefressen, auf der mit Simplex (Wirkstoff Aminopyralid) Jakobskreuzkraut bekämpft wurde, so findet sich dieser Wirkstoff im Pferdemist wieder. Wird dieser dann im Garten als Dünger verwendet, reaktiviert sich der Wirkstoff und es kommt bei empfindlichen Nutzpflanzen, wie z.B. Hülsenfrüchtlern und Nachtschattengewächsen (Tomaten, Kartoffeln) Herbizidschäden. Wenn die Menge des Wirkstoffes, der auf diesem Weg unbeabsichtigt eingebracht wurde, gering ist, dann können die angebauten Gemüse noch zur Erntereife gelangen. In diesem Fall lassen sich z.B. in den Tomaten keine entsprechenden Rückstände mehr finden und man kann sie essen. Im Boden allerdings dauert der Abbau bis zu 2 Jahren. In dieser Zeit empfiehlt sich eine Anbaupause, in der man z.B. Gras einsäen kann. Um dies alles zu vermeiden, sollte man vorsichtshalber nur Pferdemist bekannter Herkunft einsetzen und sich vorab erkundigen, ob Weide und Heu unbelastet waren.
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Weitere Infos: http://www.lwk-saarland.de/fileadmin/data/downloads/pflanze/haus-kleingarten/Jakobskreuzkraut.pdf
http://www.jki.bund.de/fileadmin/dam_uploads/_veroeff/faltblaetter/Jakobs-Kreuzkraut.pdf
https://www.landwirtschaftskammer.de/riswick/pdf/jakobskreuzkraut.pdf

© DLR

Kreuzkraut ist häufig auf Industrie- und Gewerbeflächen zu finden.


Bernd.Augustin@dlr.rlp.de     www.Gartenakademie.rlp.de drucken nach oben  zurück